Das Antifa-Cafè im September…

7. September: Freispruch für Matti

Am 12. Dezember 2006 wurde der Berliner Antifaschist Matti durch Beamte des Berliner Landeskriminalamtes festgenommen und in der JVA Moabit inhaftiert.
Matti wird vorgeworfen, im November des gleichen Jahres an einer Auseinandersetzung mit zwei bekannten und organisierten Neonazis im Weitlingkiez im Berliner Stadtteil Lichtenberg beteiligt gewesen zu sein. Nach den ersten Aussagen der geschädigten Nazis waren die Angreifer vermummt und nicht zu erkennen. Einige Zeit später korrigierten die Nazis ihre Angaben: zwar seien die Angreifer vermummt gewesen, nach Durchsicht eigener Anti-Antifa-Dateien seien sie nun aber zu der Ansicht gekommen, dass sie Matti trotz Vermummung dort wiedererkannt hätten.
Dankbar griffen Staatsanwaltschaft und LKA dieses mehr als durchsichtige Konstrukt auf und observierten Matti über einen längeren Zeitraum, um ihn letztendlich festzunehmen.
Der Vorwurf, welcher sich einzig auf die unfundierten Aussagen zweier Nazis bzw. ihrer Anti-Antifa-Daten bezieht, lautet versuchter Totschlag – Grund für die Staatsanwaltschaft, Matti für genau 101 Tage im Knast sitzen zu lassen.

Der gesamte Ablauf ist lächerlich, durchsichtig und erschreckend zugleich. Lächerlich, da bei den geschädigten Nazis lediglich geringfügige Verletzungen festgestellt werden konnten, die den Vorwurf des versuchten Totschlags niemals rechtfertigen konnten. Durchsichtig, da aufgrund der Ermittlungsabläufe schnell klar wurde, dass es sowohl den Nazis als auch der Polizei darum ging, weitergehende Informationen über AntifaschistInnen zu sammeln: als vermeintliche Opfer erhalten die Nazis Einsicht in die Ermittlungsakten, inkl. Namen und Adressen politischer Gegner, die politische Polizei konnte mal wieder ganz legal linke Strukturen überwachen und ausspionieren. Erschreckend, da Matti aufgrund dieser Anschuldigungen über drei Monate in Untersuchungshaft zubringen musste und der Staat bislang wieder einmal damit durchgekommen ist, und auch erschreckend, da dem Berliner Polizeiapparat nicht davor zurückschreckt, sich im Kampf gegen einen unabhängigen Antifaschismus auch auf offensichtliche Kooperationen mit polizeilich bekannten Nazis einzulassen.

Am 23. März diesen Jahres wurde Matti nach 101 Tagen freigelassen – der Vorwurf des versuchten Totschlages war nicht mehr zu halten, stattdessen versuchen die Strafverfolgungsbehörden nun zumindest eine gefährliche Körperverletzung zu konstruieren. Die Ermittlungen laufen weiter, und deshalb gilt für uns: Freispruch für Matti!

Nach den zahllosen Repressionswellen der jüngeren Vergangenheit möchten wir am 7.9. im Rahmen des Antifa-Cafès dem interessierten Publikum anhand dieses Falles deutlich machen, was dem Staat neben Terrorismusvorwürfen und anderen Lügen sonst noch für Diffamierungsmöglichkeiten gegen einen unabhängigen, autonomen und praktischen Antifaschismus einfällt.
Aus diesem Grunde haben wir FreundInnen aus der Berliner Soli-Gruppe von Matti eingeladen, die uns anschaulich von diesem Fall, den Hintergründen und Umständen berichten.

Wie immer öffnet das Cafè gegen 18h seine Türen, um gegen 20h dann den Beginn der Veranstaltung einzuläuten.
Für das leibliche Wohl sorgen Spezialitäten aus dem Sandwichmaker, während der Abend bei gemütlichen elektronischen Sounds ausklingen wird – bis dahin: http://freiheitfuermatti.com/